Der bundesweite Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss stagniert. So liegt die Quote auf Bundesebene im fünften Jahr der Untersuchung der Caritas bei 5,7 Prozent (Daten von 2014) und damit auf dem Niveau der Jahre 2013 und 2012 mit jeweils 5,6 Prozent. Das heißt: Rund 47 000 Jugendliche haben die Schule verlassen, ohne zumindest einen Hauptschulabschluss zu besitzen. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Caritas-Erhebung, für die die Daten von über 400 kreisfreien Städten und Kreisen ausgewertet wurden. Heute hat die Caritas die Zahlen aus dem Jahr 2014 ausgewertet und bekannt gegeben.
Auf der Ebene der Bundesländer zeigen sich deutliche Unterschiede. Die Quoten der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss der Bundesländer liegen 2014 zwischen 4,4 Prozent in Bayern und 9,2 Prozent in Sachsen-Anhalt. Dabei ist die Quote in einigen Ländern gestiegen: in Berlin von 7,7 auf 8,7 Prozent, in Schleswig-Holstein von 7 auf 7,6 Prozent, in NRW von 5,5 auf 6 Prozent, in Baden-Württemberg von 4,7 auf 5,1 Prozent und in Hamburg von 4,4 auf 4,9 Prozent. Deutlich gesunken sind hingegen die Quoten in Mecklenburg-Vorpommern (von 9,6 auf 7,9 Prozent) und in Sachsen (von 8,8 auf 7,8 Prozent).
Jedes Jahr verlassen also tausende Schüler deutschlandweit die Mittelschule ohne Abschluss. Arbeits- und Perspektivlosigkeit sind häufig die Folge. Die Caritas macht auf die jungen Menschen aufmerksam, die in unserer Gesellschaft schon nach der Schule einen schlechten Start haben. Nach wir vor sind auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Städten und Kreisen sehr groß. Auf Kreisebene schwanken die Quoten von 1,2 Prozent in Ansbach bis 14 Prozent in Mansfeld-Südharz. Der Regensburger Caritasdirektor Dr. Roland Batz appelliert an alle Verantwortlichen: "Im Interesse der Jugendlichen ist es zwingend erforderlich, mehr für benachteiligte Schülerinnen und Schüler zu tun." Wer die Schule ohne Abschluss verlässt, hat deutlich weniger Chancen auf einen Ausbildungsplatz und somit nicht nur schlechte berufliche Perspektiven sondern auch weniger Chancen auf ein Leben unabhängig von staatlichen Leistungen
Landkreise Amberg-Sulzbach und Cham sind Spitze
Bayern hat die beste Quote aller Bundesländer. Auf dem Gebiet des Bistums Regensburg (Oberpfalz und Teile Niederbayerns) lassen sich aber deutliche Unterschiede im Gefälle erkennen. Während die Landkreise Amberg-Sulzbach und Cham mit sehr guten Zahlen aufwarten können (1,8 und 1,9 Prozent), bilden die Städte Wunsiedel mit 4,5 Prozent und Regensburg (4,9 Prozent) die Schlusslichter. Im bayernweiten Vergleich stehen die Städte und Landkreise im Bistum Regensburg aber gut da. Deren Quoten liegen alle unter fünf Prozent. Zum Vergleich: Mit 9,8 weist die höchste Quote in Bayern der Landkreis Schweinfurt auf. Der Landkreis Tirschenreuth (Oberpfalz) konnte seine Quote von zwischenzeitlich 6,9 Prozent (2011) auf 2,3 Prozent dritteln. Auch im Landkreis Amberg-Sulzbach ist dieser Trend erkennbar. In der Welterbestadt Regensburg liegen die Zahlen allerdings seit Beginn der Erhebungen konstant um fünf Prozent.
Kooperationen bilden
"Wir betrachten die Entwicklungen weiterhin mit Sorge. Jeder junge Mensch muss die Möglichkeit haben, einen guten Abschluss zu erhalten, um selbstbestimmt und aufrecht durchs Leben gehen zu können. Da sind auch vier von 100 noch zu viel", stellt Roland Batz klar. Befragungen von Caritas-Experten in erfolgreichen Kreisen und Städten zeigen, dass ein Zusammenwirken von Politik, Schule, Jugendamt, Arbeitsamt, Wohlfahrtspflege und Wirtschaft dazu führen kann, dass mehr Schüler einen Abschluss schaffen. "Das gelingende Miteinander von Hilfen und Angeboten wie Schulsozialarbeit, frühen Hilfen, Berufsberatung, Berufsorientierung und Elternarbeit hilft Kindern und Jugendlichen ihren Hauptschulabschluss zu erreichen. Die politisch Verantwortlichen dürfen nicht nachlassen in ihren Bemühungen zur Kooperation, auch wenn die Situation vor Ort schwierig ist. Entscheidend ist der politische Wille vor Ort", macht Batz deutlich.
Seit 2012 wertet der Deutsche Caritasverband jährlich die Zahlen der amtlichen Statistik zu den Schulabgängern ohne Mittelschulabschluss aus. Ausführliche Informationen und alle Daten finden Sie unter: www.caritas.de/bildungschancen
