Diskutierten über die stationäre Altenpflege und haben weiteren Gesprächsbedarf (v.l.): Heimleiterin Dr. Sandra Hasslöwer, Heimbeirats-Vorsitzende Margit Dischinger, Jan Kleine, MdB Alois Rainer, MdB Erich Irlstorfer, Caritas-Geschäftsführer Norbert Scheidler, Angelika Schebelle von der Caritas-Sozialstation Laberweinting, Marco Maier vom Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland, Mechthild Hattemer von der stationären Altenhilfe der Diözesancaritasverbände und Angehörigensprecher Dr. Hubert Weigl. Straubinger Tagblatt
Weil diese Weichenstellung in Berlin erfolgen müsse, hat Caritas-Geschäftsführer Norbert Scheidler zwei Bundestagsabgeordnete zu einer Gesprächsrunde ins Caritas-Altenheim Marienstift gebeten. MdB Alois Rainer kam zusammen mit MdB Erich Irlstorfer, der als Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und Berichterstatter für Pflegeberufe sowie zahnärztliche Belange und Co-Berichterstatter für Qualität in der Pflege bestens mit dem vielschichtigen Thema vertraut ist. Zwei Stunden lang tauschten die Gesprächsteilnehmer intensiv und kontrovers ihre Thesen, Forderungen und Überzeugungen aus, wobei die beiden Politiker keinen leichten Stand hatten angesichts der Praxisbeispiele, mit denen sie immer wieder konfrontiert wurden.
Die Zahl der alten Menschen und der Anteil der Pflegebedürftigen nehmen immer weiter zu, sagte Scheidler. Im Jahr 2060 sollen 4,7 Millionen Deutsche pflegebedürftig sein. Mit der Alterung der Bevölkerung steige auch die Nachfrage nach professioneller Pflege. Gleichzeitig sinke das Arbeitskräftepotenzial. Bereits heute würden in den Pflegeberufen Fachkräfte fehlen. Die Politik bringe immer wieder Pflegereformen auf den Weg, doch die Bedingungen in der stationären Pflege hätten sich nicht wirklich verbessert. Die Pflegesätze der Altenheime würden stärker steigen als die Pflegepauschalen, worunter in erster Linie die Angehörigen leiden würden, die die finanzielle Lücke abdecken müssten.
Dr. Hubert Weigl machte mit klaren Worten deutlich, dass die Schere zwischen realen Kosten für einen Heimplatz und dem Renteneinkommen immer weiter auseinanderklaffe. Mehr als die Hälfte der Pflegekosten müssten schon heute vom Heimbewohner, dessen Angehörigen oder dem Bezirk übernommen werden. Alt werden in Würde und finanzieller Sicherheit nach 40 und mehr Jahren Berufstätigkeit werde in einem der reichsten Industrieländer der Welt bald nur noch für wenige Rentner realisierbar sein. Der Anteil der Sozialhilfeempfänger in den Einrichtungen steige stetig an. "Wie können wir die Probleme in der stationären Pflege gemeinsam lösen?"
In der Diskussion mit Angehörigen, Senioren und Heimleitung wurden Thesen und Forderungen erarbeitet und den beiden Politikern mit auf den Weg gegeben. Die stationäre Altenhilfe werde von der Politik nicht geschätzt. Der Slogan "ambulant vor stationär" werde dazu verwendet, die häusliche Pflege in vielen Bereichen besser zu stellen. Die unzureichenden Bedingungen in der Altenpflege würden zu chronischen Überbelastungen der Mitarbeiter und Fachkräftemangel führen. Nach der Einführung der Pflegeversicherung habe sich der Freistaat aus der staatlichen Förderung der Pflegeinfrastruktur zurückgezogen. Dennoch würden wie in keinem anderen Bereich behördliche Auflagen, Kontrollen und Vorschriften in das unternehmerische Selbstbestimmungsrecht eingreifen.
Die beiden CSU-Politiker hörten sich die vielen kritischen Anmerkungen geduldig an. Von seinem früheren Beruf als Außendienstmitarbeiter der AOK und aus der eigenen Erfahrung mit seiner pflegebedürftigen Mutter und einer ebenfalls pflegebedürftigen Tante kenne er die Sorgen der Angehörigen aus eigener Erfahrung, sagte Irlstorfer. Politiker seien für gute Entscheidungen auf die Erfahrungen aus der Praxis angewiesen. Deshalb suche er regelmäßig das Gespräch mit Pflegenden. "Ich nehme ihre Anliegen sehr ernst und werde mich einsetzen, Verbesserungen zu schaffen."
Marco Maier vom Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD) kritisierte, dass die Pflegenden viel zu wenig Zeit für die Senioren hätten. Die Politik müsse endlich dafür sorgen, dass sich das Ansehen der Pflegeberufe in der Gesellschaft deutlich verbessere. Die politische Abgrenzung von ambulanter und stationärer Pflege sei nicht gut, weil nicht ein System gegen das andere ausgespielt werden dürfe.
Dr. Sandra Hasslöwer kritisierte die politischen Vorgaben in der Altenpflege, die zu desaströsen Zuständen geführt hätten. Auch die jüngsten Reformen würden nicht in die richtige Richtung führen. Die einzige positive Neuerung sei die Einführung von zusätzlichen Betreuungskräften für Demenzkranke. Doch genau diese Regelung solle jetzt wieder ausgehebelt werden.
Mechthild Hattemer von der Stationären Altenhilfe des Diözesan-Caritasverbandes Regensburg klagte über das mangelnde Vertrauen in die Pflegekräfte, was zur Dokumentationsflut geführt habe. Angelika Schebelle von der Caritas-Sozialstation Laberweinting berichtete, dass viele Angehörige mit der Pflege zuhause heillos überlastet seien.