Kommunalpolitiker hatten ein offenes Ohr für die Probleme in der Altenhilfe, die von Caritas Geschäftsführer Norbert Scheidler (am Rednertisch),Harry Landauer (stehend) sowie Angelika Schebelle und Dr. Sandra Hasslöwer von der Caritas aufgezeigt wurden SR Tagblatt
Mit dabei der Straubinger Verwaltungsrat für Seniorenfragen Artur Christmann, die alle in verschiedenen Vorträgen hörten, wo die Probleme im Bereich der Altenhilfe liegen und welche Möglichkeiten helfen können. Harry Landauer vom Diözesan-Caritasverband Regensburg übernahm die Moderation. Landauer stieg kurz ein in den Fachkräftemangel und die damit einhergehenden Mangelerscheinungen in der Pflege. Er setzte an bei der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995/1996, wo noch die Kommunen für alle pflegebedürftigen Menschen, die nicht selbst für die Kosten ihrer Pflegeleistung aufkommen konnten, im Rahmen der Hilfe zur Pflege nach dem Bundessozialhilfegesetz verantwortlich waren. Wo aber stehen wir heute?
In der Jugendhilfe geschieht sehr viel
Caritas-Kreisgeschäftsführer Norbert Scheidler meinte, in der Jugendhilfe geschieht sehr viel. Im Bereich der Altenhilfe sei die finanzielle Decke aber wesentlich dünner und an die vielen Menschen delegiert, die tagtäglich damit umgehen müssen. Scheidler legte den Scheinwerfer seiner Ausführungen explizit auf die Altenhilfe. Mit Einführung der Pflegeversicherung wurde nicht nur für renditeorientierte Anbieter der Markt geöffnet, sondern gleichzeitig die kommunalen Einwirkungs- und Steuerungsmöglichkeiten rapide eingeschränkt. Die Problemlagen in der Altenhilfe haben sich seither – unbeachtet, unerkannt und unbearbeitet von der kommunalen Sozialpolitik – in vielen Bereichen verschärft. Mittlerweile orientieren sich die Entscheidungsträger in der Politik an dem sozialpolitischen Gesamtkonzept und sehen dort ihr Betätigungsfeld.
Hohe finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen
Auch auf den Smartmob „Pflege am Boden“ ging Norbert Scheidler ein, der mittlerweile schon 68 Mal in Straubing durchgeführt wurde. Weiter ging es mit einer Tabelle, in der die Belastung des Pflegepersonals bis ins Jahr 2035 aufgelistet und die Entwicklung mehr negativ als positiv beschrieben war.
Hinzu kommt die schlechte Bezahlung im Vergleich gleichwertiger Berufe, denn die Attraktivität eines Berufes bedingt auch faire Vergütung. Die finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen war ein weiteres Thema, das Scheidler ansprach. Pflege müsse für die Menschen bezahlbar bleiben und nicht in die Armut führen.
Über das ambulante Pflegeangebot der Caritas sprach Angelika Schebelle.
58 Mitarbeiterinnen versorgen derzeit 320 Klientinnen. Durchschnittlich erfolgen täglich 305 Hausbesuche. Alle Caritas-Vertreter lobten die teilstationäre Einrichtung und Tagespflege mit 15 Plätzen für Pflegebedürftige in Niederwinkling als einen richtigen Schritt in die Zukunft. Schebelle sprach auch die Problemfelder wie fehlende Kurzzeitpflegeplätze, Personalmangel oder den hohen bürokratischen Aufwand bei den Genehmigungsverfahren der Krankenkassen an. Sie appellierte an die Politik, Interesse zu zeigen und sich intensiver mit dem Thema Pflegebedürftigkeit auseinanderzusetzen.
Dr. Sandra Hasslöwer, Leiterin der Caritas-Pflegeeinrichtungen in Straubing, meinte bei der Vorstellung ihrer Einrichtungen: „In einem guten Netzwerk gehört die Kommune einfach dazu.“ „Wir arbeiten am Limit und unsere Pflegekräfte wollen lieber mehr Kollegen als unbedingt mehr Geld“, so die Aussage der Heimleiterin. Hasslöwer wünscht sich Straubing auch als eine Stadt der Pflege. Altenhilfe sollte zu den Pflichtaufgaben einer Kommune gehören, denn die pflegerische Versorgung ist eine gesamt­gesellschaftliche Aufgabe. -wil-
Straubinger Tagblatt 24.10.2019