Prognostizierte 30 Grad plus haben in jeder Hinsicht ihren Schatten vorausgeworfen auf den 48. Sonnenzug von Caritas und Straubinger Tagblatt. Gut 20 Anmeldungen wurden kurz vorher storniert - aus Sorge alter Menschen vor der Hitze. 150 Teilnehmer samt Helfern haben sich am Samstag mit vier klimatisierten Bussen des bewährten spezialisierten Partners Pfeffer aus Zenting - zwei davon rollstuhlgerecht mit Hebebühnen zum Einstieg - auf den nur knapp eineinhalbstündigen Weg nach Abensberg gemacht. Man muss nicht lange raten, was das Wort des Tages war - Schatten. Den haben alle gesucht und gefunden und den entspannten Ausflug in das wirklich schmucke 15.000-Einwohner-Städtchen genossen.
Ärztin Dr. Katharina Zeiml aus dem Klinikum St. Elisabeth, die den Ausflug samt für alle Eventualitäten ausgestattetem Notfallrucksack begleitete, hatte keinen einzigen Einsatz. Ihre Präsenz hat allerdings allen ein sicheres Gefühl vermittelt, Dass der Hitzetag so entspannt verlief, hatte seine Gründe: Das Programm war vom Caritas-Team mit Iris Lendzian wie immer maßgeschneidert entschleunigt und mit kurzen Wegen gestaltet. Und Teilnehmer samt Helfer hatten sich vorbildlich mit Hüten, Sonnenbrillen, Sonnencreme gewappnet und den Vorsatz "viel trinken" nicht beim Vorsatz belassen.
Um 9 Uhr ging es am Busbahnhof am Hagen los. Die Sonnenzugmitfahrer, die von Angehörigen und sechs Malteser-Kleinbussen vom BRK-Altenheim Mitterfels, den Barmherzigen Brüdern Straubing, Marienstift und Alte Waage sowie Königshof, aus Laberweinting und Bogen gebracht (und auch wieder abgeholt) wurden, waren wie immer überpünktlich. Routiniert halfen die freundlichen Busfahrer besonders 22 Rollstuhlfahrern und 17 Personen mit Rollator beim Einsteigen. Weitere Rollstühle hatte die Firma Zimmermann kostenlos zur Verfügung gestellt - für jene, denen der Weg vielleicht zuviel würde.
Die eineinhalb avisierten Stunden Busfahrt hat es nicht einmal ganz gebraucht. Schon vor 10.30 Uhr erreichte die Flotte den Parkplatz direkt vor dem Kunsthaus in Abensberg. Dann ein Fußweg von wenigen hundert Metern zur Kirche.

Ein erstes Straubing-Dejá-vu: Eine barockisierte Karmelitenkirche (herrlich kühl), allerdings ist das zugehörige Kloster bereits 1802 im Zuge der Säkularisation aufgelöst worden. Die Mönche wurden vertrieben und fanden Aufnahme im Straubinger Karmelitenkloster, damals zum Aussterbekloster bestimmt, das aber dank der Ausdauer von Pater Petrus Heitzer überdauert hat. Und noch eine Parallele: Straubing hat ein Johannes-Turmair-Gymnasium und Turmair war gebürtiger Abensberger.
Gottesdienst: Vorgänger und Nachfolger
Den Gottesdienst zelebrierten Stadtdekan Johannes Plank und der dortige Dekan Georg Birner, der an der Kirchentür von vielen alten Straubinger Bekannten mit freudigem Hallo begrüßt wurde. Birner ist seit 18 Jahren Pfarrer in Abensberg und war vorher viele Jahre in St. Elisabeth, wo Johannes Plank sein Nachfolger wurde.
In Johannes Planks Augen steht der Sonnenzug jedes Jahr im Zeichen der Botschaft, dass niemand allein sein und jeder sichtbar sein soll. Ganz im Sinne Jesu, der an seine Seite nicht die Reichsten und Stärksten einlade, sondern alle, so sein Predigt-Bezug zum Evangelium. "Bei Gott sind immer Plätze frei", sagte Plank, Gott werde nicht fragen, was jemand geleistet hat, sondern nur nach seiner Liebe. Bei mancher Kritik an der Institution Kirche hätten auch Skeptiker oft Sehnsucht nach Gott. Gott werde sie nicht abweisen. "Schön, dass Sie hier sind", lud er zur Eucharistiefeier ein. Die Fürbitten galten als Erstes den Teilnehmern, auf dass sie "Freude, Begegnung und das Gefühl erleben, willkommen zu sein".
Schweinebraten mit Knödel und Krautsalat

Von der Kirche aus ging es auf kurzem Weg zu Fuß oder im Rollstuhl von den Begleitern geschoben zum Brauereigasthof "Zum Kuchlbauer", sicher einem der schönsten Wirtshäuser in der 48-jährigen Sonnenzuggeschichte. So einfach ist es nicht, 150 bis 200 Teilnehmer an einem barrierefreien Ort verköstigen zu lassen, weiß Caritas-Geschäftsführerin Angelika Schebelle wie Organisatorin Iris Lendzian. Die 150 Sonnenzugteilnehmer wurden ruckzuck freundlich bedient mit Getränken und dem bei diesem Ausflug traditionellen Schweinebraten mit Knödel und Krautsalat.
Danach zweieinhalb Stunden freie Zeit. Die einen bummelten durch die kleinen Gassen, vorbei an

bemerkenswert stimmig sanierten Gebäuden. Oder spazierten durch die Kunstausstellung im Kreuzgang des ehemaligen Klosters oder durchs Kunsthaus samt Souvenirshop. Einige haben sich sogar an den Aufstieg auf den Turm gemacht, zur Aussichtsplattform in 25 Metern Höhe. Die meisten suchten sich einen Schattenplatz im Eiscafé oder im Kuchlbauer-Biergarten direkt unter dem Hundertwasserturm. Zu Eis oder Kaffee und Kuchen. Gesprächsstoff gab es dabei genug, vom Erdbeermarmelade-Einkochen bis zum abendlichen Fußballspiel der deutschen Elf. Und wie es weitergeht mit einem selber, ob man irgendwann doch mehr Hilfe in Anspruch nehmen muss. Allesamt Menschen mit Lebenslust und Freude an den kleinen Dingen.
Und auf dem Heimweg im Bus zog noch einmal eine Bilderbuch-Landschaft vorbei. Gegen 17 Uhr Ankunft am Hagen. "Bleibts gsund´", sagt eine Frau vor dem Aussteigen, "bis nächstes Jahr".
von Monika Schneider-Stranninger
Straubinger Tagblatt 22.06.2026