URL: www.caritas-straubing.de/pressemitteilungen/stromsparcheck-der-caritas/1193910/
Stand: 18.03.2015

Pressemitteilung

Stromsparcheck der Caritas

Aktion Stromsparcheck

"Meist ist es fünf vor zwölf, wenn wir zum Einsatz kommen“, sagt Michael Kraus, denn nicht selten droht wegen unbezahlter Rechnungen eine Stromsperrung. Seit neun Jahren sind die beiden Straubinger die Frontmänner in dem vom Bundes-Umweltministerium angestoßenen Projekt, das Stadt und Landkreis sowie die Stadtwerke Straubing und Bogen und die Caritas mitfinanzieren. Seit mehreren Monaten hat sich das Klientel der beiden Experten geändert. Bisher durften sie nur Bezieher von Hartz IV, Sozialhilfe und Grundsicherung beraten, mittlerweile sind es alle Einkommen unter der Pfändungsfreigrenze. Die beträgt bei Einzelpersonen 1 149,99 Euro.

Michael Kraus und Ralf Zierer vom Energiesparcheck der Caritas Foto: Straubinger Tagblatt Foto Straubinger Tagblatt

Als weiteren Trend stellen die Berater fest, dass sich zunehmend Rentner unter ihren Klienten finden. „In unserer Region ist Altersarmut deutlich spürbar“, sagt Ralf Zierer ohne jede Beschönigung. Die beiden wissen, wovon sie reden, denn sie suchen ihre Klienten in deren Wohnung auf und sehen, wie die Leute leben. Viele Menschen wohnten angesichts der Wohnungsknappheit auch in Straubing in Räumen, die unter jedem heutigen Standard sind und teils nur elektrisch beheizt werden könnten. Diese Menschen könnten kaum etwas dafür, wenn ihre Energiekosten enorm seien, sagt Michael Kraus.Flüchtlinge brauchen Rat in EnergiefragenWeiteres neues Klientel der Stromspar-Berater sind Flüchtlinge und zwar jene, die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen und denen eine Wohnung zugewiesen wird. Sie wüssten meist nicht, wie hierzulande mit Energie umzugehen ist, mit Strom, Heizung, Wasserverbrauch. Nicht selten kämen auf diese Weise Riesennachforderungen zustande, so ihre Erfahrung. Vielfach beruhe der Stromverbrauch auf Schätzungen des Stromanbieters, während die Familie aber Warmwasserboiler, Gefrierschrank und Flachbildschirm in Betrieb hat.

„Viele haben keine Ahnung, was Energie kostet.“ Insbesondere Flüchtlinge seien sich in Energiefragen selbst überlassen. Sie müssten in den Augen von Kraus und Zierer von Hausmeistern oder Hausverwaltern bei Bezug der Wohnung eingeführt werden, zum Beispiel wie man mit einem Boiler und einem Thermostat wirtschaftlich umgeht.„Beratung“ treffe zwischenzeitlich in den meisten Fällen nicht mehr den Kern ihrer Arbeit, sagt Michael Kraus. Er spricht von Energie-Betreuung. Insbesondere bei alten Leuten und bei Flüchtlingen.Stadtwerke haben 16 242 Mahnungen verschicktVergangenes Jahr haben die Stadtwerke 16 242 Mahnungen an säumige Stromkunden versandt sowie 1 902 mal eine Sperr-Androhung ausgesprochen. Bei etwa 50 Prozent dieser Fälle ist es tatsächlich zur Sperrung gekommen. Außerdem mussten die Stadtwerke 592 Mahnbescheide beantragen. Eine Versorgungssperre verursacht weitere Kosten beim Kunden, für das Sperren und Entsperren fallen 50 Euro an. Den Forderungsausfall beziffern die Stadtwerke mit rund 100 000 Euro jährlich.

 Es sind oft die Stadtwerke, die die beiden Stromspar-Experten auf prekäre Fälle aufmerksam machen. Auch Betreuer oder Berater in Sozialsprechstunden sprechen sie an. Meist muss es dann schnell gehen, denn in der Regel droht eine Stromsperrung, sagt Michael Kraus. Da sei es mit ein paar Energiesparlampen nicht getan.Oft drei, vier Besuche pro Haushalt notwendig125 Beratungen im Jahr schaffen sie ohne Probleme. Mit einem Besuch sei es in der Regel nicht getan. Es brauche manchmal drei und vier Besuche, um Schwachstellen zu finden, Zählerstände zu kontrollieren, Rechnungen aus den Vorjahren als Vergleich heranzuziehen und die Leute zu schulen, worauf sie achten sollen, um langfristig ihr Verhalten zu ändern und ihre Stromrechnung in Griff zu bekommen.

Energiesparcheck

Es sei „extrem mühsame Detektivarbeit“, hohen Stromrechnungen auf den Grund zu gehen, sagt Ralf Zierer. Die Betroffenen zu strafen, sei nicht ihre Mission, versichern beide, „wir kommen um zu helfen“. Häufig liege der hohe Verbrauch daran, dass die meiste Zeit des Tages das Fernsehgerät laufe oder dass Räume mit einem elektrischen Radiator geheizt würden. Auf Nachfrage sagten viele, „der wird nur selten benutzt“. Dann fragt Zierer immer: „Warum ist das Gerät dann eingesteckt?“ Der Hartnäckigkeit wie der Erfahrung der beiden ist zuzurechnen, dass sie schon zweimal entdeckt haben, dass Zähler auf die falsche Wohnung liefen und die Mieter, zweimal alleinstehende Menschen, die Stromrechnung der Familie nebenan zahlten. „Auch das gibt es.“Anbieterwechsel ändert nichts am VerbrauchWie sein Kollege schätzt Kraus die Stadtwerke in Straubing und Bogen, die vor Ort ansprechbar seien und sich sozialverträglich auf Ratenzahlungen einließen. Oder auch Strom im Pre-Paid-Modus ermöglichen. Zierer bringt es auf den Punkt: „Ein Anbieterwechsel lässt den Stromverbrauch nicht sinken.“ Immer wieder komme es vor, dass Menschen mit kleinem Einkommen sich von verführerisch klingenden Angeboten blenden ließen.Eine Verantwortung sehen beide auch beim Einzelhandel, der die Kunden stärker auf die Verbrauchswerte von Geräten aufmerksam machen sollte. Immerhin, sagt Kraus, sei festzustellen, dass es in den vergangenen Jahren immer weniger gebrauchte Kühlgeräte zu kaufen gibt. „Damit kommt man nur vom Regen in die Traufe.“

Die beiden können sich auf die Fahnen schreiben, dass sie von den rund 170 Stromspar-Check-Projekten in Deutschland als dasjenige gelten, das am meisten veraltete Kühlgeräte austauscht. Sie vermitteln in Fällen, die die Voraussetzungen dafür erfüllen, sogar einen Zuschuss.Noch bis März 2019 läuft das Projekt Stromspar-Check. Dann macht es zehn Jahre voll. 15 000 Euro pro Jahr an Einergiekosten hilft der Stromspar-Check in der Region einzusparen, nebenbei 19 Tonnen Kohlendioxid. Eine ansehnliche Bilanz. Der Fortbestand des Projekts steht dennoch wie alle drei Jahre zur Disposition. Michael Kraus und Ralf Zierer hoffen auf Fortsetzung von politischer Seite, setzen auf ihre Netzwerkarbeit (zum Beispiel auch mit CARMEN) und auf Sponsoren. Bedarf für Beratung wie Betreuung ist nicht zu leugnen. „Wen würde man zu den Leuten schicken, wenn es uns nicht gäbe?

von Monika Schneider-Stranninger, SR Tagblatt

Info:

Die beiden Fachmänner vom Stromspar-Check kann jedermann, dort unabhängig vom Einkommen, bei monatlichen Energie-Sprechstunden kostenlos in Anspruch nehmen: Jeden ersten Montag im Monat, von 9 bis 12 Uhr, bei den Stadtwerken Bogen, und jeden ersten Dienstag im Monat, 14 bis 17 Uhr, bei den Stadtwerken Straubing.Erreichbar ist der Stromspar-Check montags bis donnerstags von 8.30 bis 15 Uhr, unter Telefon 09421/9912-59, 0170/5642050, Fax 09421/991249, e-mail: stromsparcheck@caritas-straubing.de,