URL: www.caritas-straubing.de/pressemitteilungen/weihnachten-fuer-alleinstehende/1607171/
Stand: 18.03.2015

Pressemitteilung

Weihnachten für Alleinstehende

Geschmückter Baum, Geschenke und die ganze Familie, die sich darum versammelt und zusammen Weihnachten feiert: So sieht es in vielen Häusern Straubings an Heiligabend aus. Doch in manchen Wohnungen steht kein Weihnachtsbaum. Dort singt am 24. Dezember niemand Lieder oder verteilt Geschenke.

Elena (Namen von der Redaktion geändert) wohnt in so einer Wohnung. Deshalb kommt sie hierher, zur Weihnachtsfeier der Caritas, bei der niemand allein sein muss. "Meine Oma ist dieses Jahr am 2. November gestorben. Sie war ein Pflegefall" - darum feiert sie im Pflegezentrum An Der Alten Waage mit. Auch ihre Eltern hat die 34-Jährige schon verloren. Die Mutter 2015, den Vater schon viel früher. "An ihn erinnere ich mich auch kaum."

Für Elena ist es das zwölfte Mal, dass sie den Nachmittag des Heiligabends auf der Weihnachtsfeier der Caritas verbringt. "Ich habe ja niemanden, mit dem ich heute feiern könnte. Auch keine Kinder", sagt sie. Mit ihren 34 Jahren ist sie eine der Jüngsten, die am Dienstag zu der Feier ins Pflegezentrum gekommen ist - und gleichzeitig einer der Stammgäste. "Ich komme hier her für ein bisserl Unterhaltung. Das ist besser als an Weihnachten alleine sein", meint sie.

"Mir würde etwas fehlen, wenn ich nicht hier wäre"

So wie ihr geht es den meisten bei der Weihnachtsfeier. Sie haben keine Familie, mit der sie unter dem Christbaum Geschenke auspacken können. Dafür haben sie inzwischen einander für ein paar Stunden. Und viele kommen Jahr für Jahr wieder. "Ich schätze, dass zwei Drittel hier Stammgäste sind", sagt Organisator Martin Ernst. Seit über 20 Jahren kümmert er sich darum, dass Alleinstehende zusammen Weihnachten feiern können. "Auch für mich ist die Feier jedes Jahr ein Teil des Heiligabends. Mir würde etwas fehlen, wenn ich nicht hier wäre."

Traditionell beginnt die Weihnachtsfeier der Caritas in der Kapelle des Pflegezentrums. Sie ist so klein, dass am Ende die Stühle für alle Besucher knapp werden. Eine Helferin verteilt Liedblätter und wünscht jedem ein Frohes Fest, der zur Tür hereinkommt. Einige sitzen bereits eine Viertelstunde vor dem Gottesdienst auf den Stühlen in der Kapelle.

Andere kommen erst ganz knapp - "weil der Fahrdienst ned gleich da war". Und manche kommen auch erst zum Essen in den Saal, der sich direkt neben der Kapelle befindet.

Dekan Johannes Plank betont, dass man doch eigentlich nie wirklich einsam sei. "Wir müssen nichts alleine schaffen, weil Jesus uns rettet.", ist seine Weihnachtsbotschaft. Ihm ist es wichtig, dass die Menschen begreifen, worum es an Weihnachten eigentlich geht: Nicht um Geschenke, sondern um die Liebe und das Miteinander.

Jeder ist bei der Feier willkommen

"Eine wichtige Säule ist für uns bei der Feier zum einen die Gemeinschaft, aber auch, sich kennen zu lernen und sich gegenseitig zu stützen, damit man auch unter dem Jahr nicht alleine ist", sagt Martin Ernst nach dem Gottesdienst. Die Nachfrage nach einer Feier für Alleinstehende ist groß: Die 40 Plätze, die der Saal für alle Gäste hat, waren ihm zufolge bereits drei Tage reserviert. "Aber kommen kann zu uns jeder, und wenn jemand unangemeldet kommt, dann schicken wir den auch nicht weg."

Viele der Gäste freuen sich besonders auf die Aufführung der Kinder des Caritas Hortes. Jedes Jahr ist ein anderer Hort mit der Gestaltung der Weihnachtsfeier dran. Heuer kommen die Kinder vom Hort am Schanzlweg. Sie singen, schauspielern und tanzen für die Gäste. Ihre Weihnachtsbotschaft dabei ist die Hoffnung, die wie ein ewiges Licht nicht ausgehen soll.

Anna, die heuer bereits zum dritten Mal zu der Caritas-Feier gekommen ist, sagt, dass ihr das am besten gefalle. "Ich freue mich einfach, dass sich die Kinder noch dafür interessieren und sich für uns die Zeit nehmen. Wenn man wie die meisten hier keine Verwandten hat, ist es schön hier zu feiern." Sonst würde sie gar nicht feiern, sagt sie. Auch für Martin Ernst ist die Aufführung der Kinder ein wichtiger Teil der Veranstaltung. "Die Kinder erinnern an früher, an die Zeit mit der Familie. Sie geben den Gästen ein Stück dieses Familiengefühls zurück."

Von Susanne Pritscher

Straubinger Tagblatt 27.12.2019