
Doch die Hilfesuchenden können die Mitarbeiter weiterhin kontaktieren.
Sophie Schattenkirchner
Straubinger Tagblatt: Frau Liebl, die Caritas hält die Beratung für Schuldner, die Allgemeine Sozialberatung und die Beratung für Asylbewerber weiterhin aufrecht. Wie machen Sie das?
Julia Liebl: Zum Schutz aller findet faktisch kein Parteiverkehr mehr statt. Trotzdem wollen wir als Berater Hilfesuchenden weiterhin bei ihren Anliegen zur Seite stehen. Wir sind daher alle telefonisch, per E-Mail oder online erreichbar. Um den persönlichen Kontakt der Mitarbeiter innerhalb der Einrichtung zu verringern, arbeiten wir nun abwechselnd im Homeoffice und im Büro. Natürlich stellt dies eine große Herausforderung für uns dar, da der persönliche Kontakt mit den Klienten in der Beratung ein Eckpfeiler professioneller Arbeit ist, allerdings gelingt es uns bisher gut, flexibel reagieren und vieles telefonisch klären zu können. Kurzarbeit: "Viele sind verunsichert"
Melden sich schon mehr Leute bei Ihnen, die in Sorge sind, durch
mögliche Kurzarbeit weniger zu verdienen und auf Hilfe angewiesen zu sein? Wie geht es Menschen, die aufgrund von Schulden hohe Kredite abstottern müssen?
Ein deutlicher Anstieg an Anfragen hierzu ist besonders bei der Kollegin in der Allgemeinen Sozialberatung bemerkbar. Sie erhält täglich viele Anrufe und E-Mails von Menschen, die jetzt in finanzielle Notlagen geraten, ihre Mieten nicht mehr bezahlen können oder plötzlich auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind. Viele sind verunsichert, wie sich Kurzarbeit auf andere Leistungen wie beispielsweise Elterngeld oder Mutterschaftsgeld auswirkt. Des Weiteren stellt natürlich der erschwerte Zugang zu den Leistungsträgern, wie die Bundesagentur für Arbeit oder das Jobcenter, ein Problem dar. Umso wichtiger ist hier nun die Netzwerkarbeit mit den Trägern, Einrichtungen und Behörden, um die Zugänge zu den staatlichen Leistungen sicherstellen zu können. Die Kollegen der Schuldner- und Insolvenzberatung berichten bisher zwar noch von keinen erhöhten Beratungsanliegen, erwarten aber in der Folgezeit einen deutlichen Anstieg an Neuanfragen. Das Ausmaß der aktuellen Lage wird sich hier erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen, wenn die Menschen ihre Kredite, Rechnungen oder laufenden Kosten nicht mehr begleichen können und in eine Schuldenspirale geraten.
Wie ist die Stimmung bei den Menschen, die Sie kontaktieren?
Sehr unterschiedlich.
Es gibt viele Hilfesuchende, die mit der Situation ganz gut klarkommen und versuchen, das Beste daraus zu machen und sich weiterhin so gut wie möglich um ihre Angelegenheiten zu kümmern. Allerdings herrscht natürlich sehr viel Verunsicherung und Verzweiflung, insbesondere wenn es sich um existenzsichernde Anliegen handelt. Auch Menschen, die zuvor Unterstützung durch die Tafeln erhalten haben, melden sich nun, da die vorhandenen Geldmittel nicht ausreichen und sie auf die Versorgung angewiesen waren. An dieser Stelle möchte ich auf das Angebot des Freiwilligenzentrums verweisen, dorthin können sich Bedürftige wenden. "Vieles lässt sich unbürokratisch klären"
Wie werden Menschen mit Fluchthintergrund informiert? Wie nehmen die Menschen das auf?
In den Gemeinschaftsunterkünften wurden Aushänge in verschiedenen Sprachen zum Thema gemacht. Auch die Heimleiter leisten hier wichtige Aufklärungsarbeit und geben die sich ändernden Verfahrensweisen an die Menschen weiter. Wir sind im ständigen Austausch mit den Behörden, um frühzeitig neue Entwicklungen weitergeben zu können. Ansonsten klären wir im telefonischen Einzelgespräch viel auf und bitten darum, dies auch über Mund-zu-Mund-Propaganda untereinander zu verbreiten. Aufgrund der sprachlichen Barrieren ist es natürlich schwer für die Menschen, sich in den offiziellen Medien zu informieren. Einige greifen daher auch auf unseriöse Quellen im Internet zurück, hier besteht die Gefahr, dass sich Fake News oder Panik verbreiten. Bisher habe ich aber aus den Straubinger Unterkünften die Rückmeldung erhalten, dass sich - bis auf wenige Einzelpersonen - die Menschen an die Regeln halten und keine Panik aufgekommen ist. Viele sind sehr dankbar, dass sie in diesen schwierigen Zeiten in Deutschland sein können und vertrauen auf das deutsche Gesundheitssystem.
Welche Bitte oder welchen Rat haben Sie für Menschen, die sich derzeit beraten lassen möchten?
Ruhe bewahren und im Bedarfsfall Kontakt mit den Beratungsstellen aufnehmen. Vieles lässt sich derzeit unbürokratisch klären, die meisten Einrichtungen und Behörden zeigen hier großes Entgegenkommen und vieles lässt sich auch mal auf unkonventionelle Art regeln. Natürlich möchte ich alle bitten, sich an die Ausgangsbeschränkungen zu halten und sich solidarisch zu zeigen.
In diesem Sinne: "Bleibt zu Hause, seid füreinander da und bleibt gesund."
Interview: Sophie Schattenkirchner
Info Die Durchwahlen zu den Beratungsstellen der Caritas findet man auf der Homepage www.caritas-straubing.de.
Auch unter Telefon 09421/9912-0 sind die Mitarbeiter erreichbar.
Die Anrufer werden dann an die entsprechenden Beratungsstellen weitervermittelt.